Lernziel
Die Lernenden können das Konzept von Memes in eigenen Worten wiedergeben, diskutieren den Einsatz von Memes bei religiösen Bildungsprozessen und machen sich Memes für das eigene religionspädagogische Handeln nutzbar, indem sie selbstständig Memes generieren.
1. Was sind Memes? Einstieg und Aktivierung
Haben Sie schon einmal von Memes gehört oder sind in ihrem Alltag auf Memes gestoßen? Um mit einem Definitionsversuch nicht gleich ins Haus zu fallen, lade ich Sie ein, dass Sie sich selbst diesem viralen Kulturphänomen annähern. Dazu können Ihnen die nachfolgenden vier «Gedanken» samt darunter stehenden Impulsfragen behilflich sein.
„Memes können die Meinungsbildung beeinflussen, besonders bei jüngeren Nutzer:innen, die mit sozialen Netzwerken als Alltags- und Informationsmedium aufwachsen.“ ~ Iren Schulz
„Memes haben etwas Verbindendes, man hat das Gefühl, nicht mehr allein zu sein.“ ~ Ruth Lol
- Wo sind mir in meinem Alltag, meinem Beruf Memes schon begegnet?
- Welches Vorverständnis zu Memes bringe ich mit?
- Wie würden ich auf Basis der vier «Gedanken» den Begriff Meme erklären? Beziehen Sie in Ihre Überlegungen sowohl positive als auch negative Charakterisitika aus den obigen Beispielen mit ein.
2. Begriffsklärung und Relevanz
Memes – auf sozialen Medien gängige, humoristisch-satirische Bild-Textkompositionen – sind Ausdruck digitaler Weltbegegnung und -gestaltung. Als Bildungsmedium haben sie bereits Einzug im Schulalltag genommen. Ihr kreatives Potential – Bestehendes verändern, Informationen anpassen – scheint ebenso wie ihr ambivalenter Charakter – Arbeiten mit Stereotypen, manipulative Wirkung – pädagogisch spannend zu sein. In unserer vernetzten Welt entsteht durch diese Image-Macro-Memes ferner eine besondere Dynamik. Da das Arbeiten mit Bildern, Texten sowie Karikaturen bei religiösen Bildungsprozessen etabliert ist und entsprechende Lehr- und Lernprozesse die Lebenswelt Jugendlicher und junger Erwachsener nicht außer Acht lassen sollten, liegt es nahe, sich bei einer Tagung unter dem Motto «Religion reloaded? Religiöse Bildung in einer vernetzten Welt» auch mit dem Einsatz von Image-Macro-Memes bei religiösen Bildungsprozessen auseinanderzusetzen.
- Einen weiteren, vertiefenden (sozialwissenschaftlichen) Zugang zum Begriffsverständnis von Memes finden Sie hier zusammengefasst.
- Dass Memes ein nicht zu vernachlässigender Bestandteil der Lebenswelt Jugendlicher und junger Erwachsener sind, bestätigt etwa eine vom Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom durchgeführte Studie aus dem Jahr 2019.
3. Einsatz bei religiösen Bildungsprozessen
Grundlage der folgenden Lernschritte ist der frei zugängliche Artikel von Philippe Wampfler zu Memes im Unterricht (Wampfler 2018², 90–99).
- Bennenen Sie auf Basis des Artikels, mindestens drei Vor- und Nachteile die ein Einsatz von Memes bezogen auf inner- und außerschulische religiösen Bildungsprozesse haben kann?
- «Da manche Memes ethische Werte ins Lächerliche ziehen, eignet sich nicht jedes Thema religiöser Bildungsprozesse für eine memedidaktische Umsetzung.» Nehmen Sie zu diesem Statement kritisch Stellung, indem Sie konkrete Themengebiete in Ihre Überlegungen miteinbeziehen. (optional)
Im konkreten Einsatz von Memes bei religiösen Bildungsprozessen besteht derzeit noch Aufholbedarf und das, obwohl eine Forschungsgruppe um Wendi Bellar bereits 2013 festhielt, dass Memes nicht nur Ausdruck gelebter Religion sein können, sondern auch auf das Verständnis und die Auffassung von Religion im Internet einwirken (Bellar 2013, 24–25).
Was könnten (theologische, religionspädagogische und praktische) Gründe dafür sein, dass der Einsatz von Memes bei religiösen Bildungsprozessen bisher kaum Beachtung erhielt?
Wählen Sie unter dem Stichwort «Memes und Blasphemie» in der Suchmaschine Ihres Vertrauens zwei thematisch unterschiedliche religiöses Meme aus und entschlüsseln Sie deren Botschaft. Worin manifestiert sich das blasphemische Element des jeweiligen Memes? (optional)
- In welchen Settings würden Sie die ausgewählten Memes konkret einsetzen? (optional)
Einsatz konkret – Memes zum Thema Freundschaft
- Sehen: Was sehen Sie auf den zwei untenstehenden Memes? In welchem Zusammenhang mit dem Thema Freundschaft stehen sie jeweils?
- Urteilen: Versuchen Sie eines der beiden Memes zu dechiffrieren. Welches Vorwissen beziehungsweise welche Kompetenzen sind dafür notwendig?
- Handeln: Erstellen Sie selbst ein Meme zum Thema Freundschaft über einen kostenlosen Memegenerator. Sie können Sich an den Beispielen orientieren oder selbst ein Meme konzipieren.
4. Ergebnissicherung, Reflexion und Anmerkungen
Memes sind ein nicht außer Acht zu lassender Teil der vernetzten Lebenswelt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ihr ambivalenter Charakter impliziert einen kritisch-konstruktiven Umgang beziehungsweise Einsatz, den man sich gewinnbringend für religiöse Bildungsprozesse zu Nutzen machen könnte. Dabei gilt es stets auf Neue zu bedenken:
Welche Relevanz messe ich Internetphänomenen als Zeichen der Zeit im Allgemeinen zu?
Was ist das Besondere beziehungsweise der Eigenwert von Memes?
Welche Kenntnisse benötige ich, um Memes bei religiösen Bildungsprozessen einsetzen zu können?
Wie würde ich – nach Absolvierung des Lernmoduls – die Frage beantworten, ob der Einsatz von Memes bei religiösen Bildungsprozessen funktionieren kann?
Literaturhinweise
Bellar, Wendi, Heidi Campbell, Kyong James Cho, Andrea Terry, Ruth Tsuria, Aya Yadlin-Segal und Jordan Ziemer, Reading Religion in Internet Memes, in: Journal of Religion, Media & Digital Culture 2/2 (2013), 1–39.
Wampfler, Philippe, Memes im Unterricht, in: Elke Höfler und Jürgen Wagner (Hg.), Sprachunterricht 2.0, Glückstadt 2018², 90–99.
Dieses Lernmodul wurde erstellt von Johannes Härting, Johannes.Haerting[at]uibk.ac.at.